Krump 'N' Break Release

Abstrakt

Ein dokumentarisches Tanzstück über die urbanen Tanzstile des Krump und Break aus dem Blickwinkel zweier zeitgenössischer Choreographen.

Krump 'N' Break Release

Absicht, Anmerkung

Unser Körper erzählt von unserer Geschichte, unseren Wurzeln, unserer Art zu leben. Fünf Tänzer aus Frankreich und Deutschland und vier Tanzstile treffen auf der Bühne aufeinander.
Mit der Wucht des Krump, der Virtuosität des Break, der Durchlässigkeit des Release und der Zerbrechlichkeit des Contacts, taucht "Krump 'N' Break Release" in die Biografien der einzelnen Tänzer und schreibt eine sehr persönliche Kurzgeschichte des Tanzes der letzten 20 Jahre. Raphael, Alan, Waldo, Anthony und Emilie erzählen dabei von ihrem Leben, von der Notwendigkeit der Bewegung und von der Entdeckung fremder Bewegungsgründe. Ein neuer Tanz. Ein erster Schritt zu einer neuen Welt.

UNIDIVERS RENNES

„Diese Performance fühlt sich an wie eine gegenseitige Einladung aus zwei unterschiedlichen Welten und wie der Beweis dafür, dass das Ergebnis positiv ist.’’

Magazine Danser

„Malgven Gerbes und David Brandstätter brechen mit dem Bild der Youngsters, die nichts zu verlieren haben. Krump ’N’ Break Release bindet sich perfekt in den dokumentarischen Ansatz ein. Bewusst rauh, verweigert diese Performance jede offenkundige Ästhetisierung. Ihre Schönheit liegt in ihrer Aufrichtigkeit, in der Begegnung, welche sie zulässt und in ihrer Schlichtheit. Die Tänzer, hier die Darsteller ihrer selbst, legen die Genesis des Krump und Hip Hop dar.’’

Presse

Tanz

„Unter allen Spielarten des Urban Dance ist das Krumping für die Bühne restlos untauglich. Krumping ist tierisch, aggressiv, Ausdruck von Wut und Ohnmacht. Hände schnellen vor, der Kopf wendet sich ab, das Gesicht zeigt Abscheu, wilde Gesten machen den starken Mann oder die starke Frau. Spätestens seit David la Chapeles Kinofilm "Rize" (2005) sind die Krumper die gänzlich hoffnungslosen, die ärmsten Schwarzen an der amerikanischen Westküste. Ihr Tanz in den Elendsvierteln liest sich wie ein afrikanischer Zauber gegen Chancenarmut. So hatte La Chapelle sie zu Helden gemacht. Anders in Frankreich. Hier wird den Krumpern das übliche Programm aus sozialer und kultureller Teilhabe verordnet. Man trifft sich im WiP Villette in Paris, einer offiziellen Bühne für Urban Dance. So sichert sich der Staat die Kulturhoheit, auch, um amerikanische Verhältnisse zu vermeiden. Krumper organisieren sich eher in Familien, den Tiger Cold Boyz, den Wrecker Madskillz, kleinen Gemeinschaften, die sich um ihre besten Tänzer scharen, und deren Clans sich ähnlich den B-Boyz in Sessions, Battels und nun auch auf der Bühne treffen. An einem für sie völlig ungewohnten Ort. Einer von den Vieren hier, Anthony Jean, genannt die Krähe, macht ernsthaft glauben, jedem ein Auge aushacken zu können. Dabei wirkt er so schüchtern wie ein Tier, dem man gerade die Freiheit geraubt hat. Der wirklich starke Mann des Trupps ist Raphael Hillebrand, derzeit der bekannteste Berliner B-Boy der Generation 30+. Während seine vier Franzosen halb vorgeführt, halb porträtiert werden, wie in einem Dokumentarfilm, erkennt man als Erstes, warum ihre martialische Stoßrichtung weder Ausdruck noch Bühnenpräsenz erzeugt. Durch den schieren Kontrast. Hillebrand ist viel lockerer unterwegs mit überragenden Spins und Posen aus Locking und Popping. Ein souveräner Erzähler ist er außerdem, der mit dem Humor eines guten Pädagogen mal eben die Geschichte vom B-Boying über das Clowning bis zum Krumping daherrattert. Im Gegenzug sind seine Gäste, die sich nebst ihrem Style auch artfremd an Release, Contact und Hip-Hop wagen müssen, erst in schwarz-weißen Videoporträts souverän, etwa wenn sie bekennen, wie spirituell sie ihren Lifestyle empfinden. Dieses Doku-Format des Choreografenduos Malgven Gerbes und David Brandstätter ist die eleganteste Methode, um dem integrativen Ansatz französischer Kulturpolitik nachzukommen. Im Versuch, den aggressiven Bewegungsstil durch zeitgenössische Techniken weicher zu zeichnen, wird aber auch klar, wie aufgesetzt das Spiel mit der animalischen Wut auf der Bühne ist. Emilie Ouedraogo Spencer erweist sich als Frau von einiger intellektueller Kraft, und Waldo Pierre "Junior Tiger" zieht seine kämpferischen Krallen sofort ein, sobald die Maske seiner afrikanischen Identität leicht verrutscht. Dabei lautet doch die beliebteste These der Krumper: Krumping ist nicht zähmbar. ln Wahrheit droht ihm dasselbe Schicksal wie Parkour oder B-Boying - nur eine weitere Spielart unter den Styles dieser Welt zu sein.’’
Arnd Wesemann

Zitty

„Turnschuhsohlen auf den Boden schlagend, Hände zu Fäusten geballt, Augenlider zugekniffen: Vier Tänzer und eine Tänzerin sind ready to krump. Was ist Krumping? Tobenden Kräften im Körper tänzerisch Ausdruck verleihen – im Kollektiv, brennend, unter Hochspannung. Die Posen dieses Tanzstils wirken mitunter furchteinflößend. Malgven Gerbes und David Brandstätter, das französisch- deutsche Künstlerduo alias shifts, haben sich in die Krumping-Szene gestürzt und gemeinsam mit fünf Künstlern eine tänzerische Dokumentation erarbeitet, die nicht alleine das Tanzen aggressiver Gefühlsausdrücke präsentiert. Sie zeigen, wie Krumping ganz persönliche Geschichten erzählt und mit dem kunstfertigen Breakdance und der den Körper entspannenden Release-Technik zusammenwirkt. Wenn der Berliner Breakdancer Raphael Hillebrand und die in Paris lebenden Krumper Alan Page, Waldo Pierre, Anthony Jean und Emilie Ouedraogo Spencer beginnen, sich zu bewegen, lösen sie keine Angst aus, sondern erwecken reine Neugier für virtuose Bewegungen und tänzerische Wurzeln. Statements der Tänzer aus Videoporträts und während der Performance veranschaulichen, worum es ihnen geht, wenn sie Glücksgefühle und Aggressionen in Tanz verwandeln. Die Deutschlandpremiere von „Krump’n’Break Release“ ist im Rahmen des Festivals open Spaces #2 (31.10.-9.11.) in den Uferstudios zu sehen.’’
Mariama Diagne, >>zitty vote: sehr gut

Team

PROJEKT, CHOREOGRAFIE Malgven Gerbes, David Brandstätter | TANZ, CHOREOGRAFISCHE MITARBEIT Raphael Hillebrand, Waldo Pierre, Emilie Ouedraogo Spencer, Anthony Jean, Alan Page | DRAMATURGISCHE BERATUNG Howard Katz | VIDEO Christoph Lemmen, Malgven Gerbes | LICHTDESIGN Bruno Pocheron, Ruth Waldeyer | MUSIK Jim Sert, David Brandstätter | PRODUKTIONSMANAGEMENT Katja Kettner, Christine Elbel | TOURING Alix Pellet, Clémence Rey | PRODUKTION s h i f t s – art in movement | KOPRODUKTION Les Hivernales d’Avignon; Le TRIANGLE, Cité de la Danse, Rennes; La Villette – Résidence d’artistes; fabrik Potsdam: Artists-in-residence; Uferstudios - Tanzfabrik Berlin | MIT DER UNTERSTÜTZUNG VON Haupstadtkulturfonds Berlin; La Direction Régionale des Affaires Culturelles de Haute-Normandie; La Région Haute-Normandie

Performances

Preview Les Hivernales d’Avignon | Tanznacht Berlin | Question de danse KLAP Marseille | Festival Made in Postdam | Première in France Le Triangle, Cité de la Danse, Rennes | Lofft theatre Leipzig | festival des Cultures urbaines Canteleu | Villette Street Festival Paris | Festival Pharenheit : Le Phare CCN Le Havre | Théâtre Joliette-Minoterie in collaboration with KLAP Marseille.

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