rencontres

Rencontres is inspired by the words of Gilles Deleuze who said in an interview (L'Abécédaire) that a true encounter happens like a collision, causing a permament change in the involved parties. Malgven Gerbes and David Brandstätter developed choreographic strategies: physical, architectonic, multi-focused and constructive. The performers trigger chains of reactions and unforeseeable accidents. The individual is confronted with the group, faces his own compulsion, freedom, responsibility, interdependence in an open form that offers space for personal reactions. The major work being done in this context is the performers’ testing, observing, sensing, and consciously experiencing these encounters. The work aims to introduce them to each other and enable them to get to know each other on multiple levels.

Credits:
Concept, choreography: Malgven Gerbes, David Brandstaetter
Dancers (piece for 7 dancers): I Fen Lin, Vidal Bini, Ricardo Carmona, Johanna Chemnitz, Eva Kupfer, Simone Truong, Ixchel Mendoza Hernanderz, Pedro Rosa, Malgven Gerbes, David Brandstaetter
Soundscape: David Brandstaetter
Choreographic adviser: Mary O'Donnell Fulkerson
Dramaturgic adviser: David Williams Coaching:Norbert Kliesch
Length: 55 min
Produced by Fabrik Potsdam in the frame of Tanzplan Potsdam: Artists-in-Residence. Performed at: Fabrik Potsdam, Tanzfabrik Berlin, Tanztage Berlin, Tanzland Festival

 



Review in German:
Verzwickte Balancen
"Rencontres"-Premiere in der Fabrik

Wäre das Bein nicht dort, wo es ist, würde der Torso, der an ihm lehnt, einfach vornüber kippen. Das Bein seinerseits hält sich aber nur, weil eine Hand es stützt. Der Arm mit der Hand wiederum ruht schwer auf einer Schulter. Während die Schulter ihr Gewicht auf einer Hüfte ablegt. Was klingt wie ein gordischer Körperknoten, und es sieht auch ein wenig so aus. Auf der Bühne steht, und fällt fast, ein beängsügend fragües Gebäude aus Körpern, die sich gegenseitig Halt geben und in wechselnden Positionen immer wieder anders stabilisieren. Einer stützt oder kontert den anderen in abenteuerlicher Schräglage. Nur etwas weniger Kraft, ein etwas kleinerer Neigungswinkel, mit dem sich ein Körper dem anderen entgegen stellt - schon würden alle gemeinsam zusammenbrechen.
Der Anfang von „Rencon-tres", dem neuen Ensemblestück des jungen, erst seit kurzem in Berlin lebenden Cho-reografenpaares Malgven Gelbes und David Brandstätter, besteht aus riskanten, spontan ausbalancierten Körperarchitekturen- Premiere war am Freitag in der Fabrik. Wie Bestandteile eines multiplen Organismus nähern sich die sieben Tänzer erst einander an und greifen dann plötzlich nach den Kollegen vor, hinter oder neben sich. Manchmal sackt die Gruppe dann schwer und windschief nach innen. Mal dehnt sie' sich an ausgestreckten Armen, bis der letzte, weit nach außen gelehnt, wie ein Windsurfer gerade eben noch auf den Beinen gehalten wird. „Rencon-tres" ist aus vielen solcher Anordnungen und Spielregeln zusammengesetzt, die aus dem Aufeinandertreffen    verschiedener Bewegungen etwas Eigenes, Neues entstehen lassen. So spannend und konzentriert wie in den ersten 20 Minuten ist der später im Raum aufgelöste Ablauf zwar nicht mehr, dafür treten die unterschiedli-chen Bewegungsqualitäten in den     Vordergrund:     Gerbes' strenge Geschmeidigkeit oder Brandstätters   schlaksig-theatralische   Erscheinung.    Streckenweise   hat   „Rencontres" den  Charme   einer  Jam-Ses-sion, der die Zuschauer von vier Seiten der Tanzfläche folgen konnten. Die Tänzer gehen souverän aufeinander ein, ein Zeichen für sehr genaue Probenarbeit.      Nur      selten bricht  der  Spannungsbogen. Dann allerdings bekommt das fließende Bewegungsbild eine unvorteühaft ätherische Note. Vorgestellt hatten sich zuerst nur die beiden Tänzercho-reografen mit „I don't remem-ber what time it was". Das ältere Duett entwickeln sie im Lauf der Zeit weiter und passen es der jeweiligen Form ihrer Zusammenarbeit an. Zwischen   Lautsprechertrichtem, in  denen Wasser  durch   die Tonschwingungen in kleinen Fontänen nach oben schießt, gehen die Körper weniger auf Kollisionskurs als in der neuen Inszenierung.   Einer bearbeitet, umspielt den anderen, behutsam. Sie lassen sich Raum und Ruhe, wenn Brandstätter lange am Boden liegt,  während Gerbes sich in kleinen Schritten langsam einen immer größeren Radius im Raum erschließt. Soviel ist sicher: Gespür für die Arbeit mit jungen Tänzern haben diese beiden. Ein   so   auf  einander   einge-schworenes   Ensemble   sieht man nicht oft.

CONSTANZE KLEMENTZ


"I suppose the main reflection I have at this point is the sense of the unresolved ambiguities and questions that you stage in the work, and how active they are. They are very useful, their friction is generative. They all relate in one way or another, I think, to relational difference and the paradox of difference co-existing; it is dynamic, on the move, a work-in-progress towards, we never arrive at. How to be with others? How to be in relation? There are other related ambiguities and productive tensions in the work between, for example, structure and spontaneity, passivity and activity (the ideal is an active passivity, or an active receptivity). Another paradoxical ideal: dynamic stillness. There is also an ambiguity or paradox about time; I think of the Latin phrase ‘festina lente’;  it means ‘make haste slowly’, ‘go quick slowly’. In other words, take time to make time (and space). It all relates to the quality of attention from all people involved: attention / attendre / waiting: patience again. Listening. Present-ness. Actively receptive. Responsible (response-able, the ability to respond) … The event of another person and/as the event of self. It is all there." (David Williams about Rencontres)